Mehr Verbraucherrechte bei Kreditgeschäften

Ob neue Einrichtung, ein neues Auto, ein neuer Plasmafernseher oder Modernisierungen am Haus – selten können sich normale Verbraucher solche Anschaffungen direkt aus dem eigenen Geldbeutel leisten und schließen Ratenkredite ab, um sich die Traumgegenstände finanzieren zu können. Banken nutzten sich gerne diesen Vorteil aus, besonders in der Werbung wussten es die Kreditgeber mit schöngerechneten Effektivzinsen die Verbraucher zum Vertragsabschluss zu animieren.

Seit gestern, dem 11. Juni 2010, gelten allerdings nun die neuen EU-Richtlinien für Kreditverträge. Damit wurde auch der Umgang mit Krediten für Verbraucher viel transparenter und vor allen Dingen eins: einheitlicher. Lockangebote von Banken werden nun zunehmend in Vergessenheit geraten, auch das Kündigungsrecht des Verbrauchers wurde deutlich zu Gunsten des Kunden verbessert.

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Einheitliches Informationsblatt

Ein europaweites Informationsblatt macht Kreditverträge für den Kunden nun deutlich transparenter und verständlicher. Anhand dieser Informationsblätter kann der Verbraucher die verschiedenen Angebote nun viel effektiver miteinander vergleichen. Der Kreditanbieter muss seinen Kunden noch vor Vertragsabschluss über alle Gebühren, Zinskosten und Provisionen, aber auch über rechtliche Angelegenheiten, wie das Rücktrittsrecht oder den rechtlichen Folgen beim Zahlungsverzug informieren.

Banken dürfen nun nicht mehr mit schöngerechneten Zinssätzen, den sogenannten Lockangeboten, werben, die allerhöchstens auf eine Hand voll Verbraucher zutrafen, sondern müssen einen Zinssatz angeben, der aufgrund der Zahlungsfähigkeit der Kunden auf mindestens für zwei Drittel zutrifft.

Auch die Kosten einer Restschuldversicherung, wie es manche Banken für einen Vertragsabschluss verlangen, sind dem effektiven Jahreszins anzurechnen, wenn diese für die Antragsannahme von Seiten des Kreditgebers eine zwingende Rolle spielte.

Verbesserte Kündigungsfrist und ein 14-tägiges Rücktrittsrecht

Mit der neuen EU-Richtlinie können Verbraucher besonders von den verbesserten Kündigungsfristen profitieren, die nun viel flexibler wurden. Früher durfte der Kunde seinen Kreditvertrag nur mit einer Frist von sechs Monaten nach Vertragsabschluss kündigen. Das hat sich weit geändert: unbefristete Ratenkredite kann der Kreditnehmer nun jederzeit kündigen. Bei befristeten Verträgen steht der Bank allerdings das Recht zu, dem Kunden eine Vorfälligkeitsentschädigung in Rechnung zu stellen. Dieser darf allerdings nur maximal ein Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Summe betragen und bei Kreditverträgen, deren Restlaufzeit weniger als 12 Monate beträgt, höchstens 0,5 Prozent.

Zusätzlich steht dem Kreditnehmer nun ein 14-tätiges Rücktrittsrecht beim Abschluss eines Kreditvertrages zu. In Deutschland gewährten zwar bereits viele Kreditanbieter ihren Kunden ein Rücktrittsrecht, allerdings wurde diese Regelung mit der neuen EU-Richtlinie nun verbindlich und trifft auf sämtliche Ratenkredite, auch im europäischen Ausland, zu.

Mehr Verbraucherschutz durch Prüfung der Bonität (Zahlungsfähigkeit)

Banken müssen die Bonität ihrer Kunden nun bereits im Vorfeld sorgfältig prüfen, um eine Verschuldung zu vermeiden. Wem sein Angebot zu teuer erscheint, kann durch die kurzen Kündigungsfristen seinen bestehenden Kredit nun auch jederzeit schnell umschulden, wenn sich auf dem Markt ein günstigeres Angebot ergeben sollte.

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13. Juni 2010 von

Comments

  1. Steffen says:

    Seit 11.06.2010 haben es Verbraucher bei der Kreditaufnahme nun leichter. Es wurde aber auch mal Zeit, dass sich bei der Kreditwerbung etwas tut. Viele Verbraucher hatten im Glauben an ein günstiges Angebot einen Ratenkredit abgeschlossen, der dann am Ende viel teurer wurde.

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