Überziehungszinsen: Die Falle im zweistelligen Prozentbereich

ÜberziehungszinsenDas Thema Überziehungszinsen ist gerade in letzter Zeit sehr umstritten. Während Verbraucherschützer immer wieder die scheinbaren Wucherzinsen der Banken kritisieren, berufen sich die Geldinstitute ihrerseits auf ein hohes Ausfallrisiko und versuchen damit, die horrenden Zinsen zu rechtfertigen. Doch sind die Überziehungszinsen, die sich zumeist im zweistelligen Prozentbereich bewegen, wirklich gerechtfertigt? Und was gibt es hinsichtlich dieser Kreditart allgemein zu beachten?

Zunächst einmal sollte der Überziehungszins vom Dispozins abgegrenzt werden. Viele vermischen diese zwei Kreditarten nämlich immer wieder miteinander. Der Dispozins wird fällig für einen Kreditrahmen, der vorher abgestimmt wurde mit der Bank. Ein Beispiel: Bei Kontoeröffnung wird ein Dispo von 1.000 Euro festgelegt und die Dispozinsen betragen elf Prozent. Der Kunde zahlt somit die elf Prozent Dispozinsen für maximal 1.000 Euro, die er sein Konto im Minus hat. Geht der Betrag allerdings über diese 1.000 Euro hinweg, kommen die Überziehungszinsen ins Spiel.

Allgemeines zu den Überziehungszinsen

Grundsätzlich sind die Überziehungszinsen ein freiwilliges Angebot der jeweiligen Bank. Verpflichtet, einen solchen Bankkredit über den Disporahmen hinaus zu gewähren, ist die Bank nicht. Da das Ausfallrisiko, also die Gefahr, dass die Bank ihr Geld nicht wiedersieht, bei der Kontoüberziehung besonders hoch ist, lässt man sich dieses Risiko auch entsprechend gut bezahlen. Die Folge: Überziehungszinsen bewegen sich nahezu immer im zweistelligen Prozentbereich, oft werden sogar zwischen 15 und 18 Prozent fällig. Grundsätzlich gilt: Der Überziehungszins ist zwischen zwei und fünf Prozent teurer als der ohnehin schon nicht günstige Dispozins.

Gefahren der Überziehungszinsen

Die wohl größte Gefahr beim Überziehungszins ist die mangelnde Transparenz. Der Kunde weiß nicht, wie hoch der Überziehungskredit ist bzw. sein darf. Dementsprechend kann es sein, dass der Kunde bei Unachtsamkeit oder genereller finanzieller Schieflage einige hundert oder gar tausend Euro ins Minus kommt. Sobald der Dispo ausgeschöpft ist, setzt der teure Überziehungszins ein. Eine große Gefahr. Warum? Ganz einfach: Für den Kreditnehmer ist es in der Regel sehr schwer, den fehlenden Betrag auszugleichen und den Kontostand auf Null zu bringen. Dementsprechend lange werden die horrenden Zinsen für den Überziehungskredit fällig – eine erhebliche zusätzliche Belastung.

Tipps zum richtigen Umgang mit den Überziehungszinsen

Grundsätzlich ist der Überziehungszins natürlich nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Wenn zum Ende des Monats noch wichtige Rechnungen beglichen werden müssen, der Dispo allerdings schon ausgeschöpft ist, kann trotzdem noch die Zahlung getätigt werden – vorausgesetzt natürlich, die Bank zeigt sich überhaupt kulant und der Kunde ist noch nicht negativ aufgefallen. Doch man sollte sich auf jeden Fall darüber im Klaren sein, dass es sich hierbei um einen kurzfristigen Kredit handelt.

Der Überziehungskredit ist also optimal, um einen kurzfristigen Zahlungsengpass von einigen Tagen oder Wochen auszugleichen, nicht aber, um ein generelles Finanzloch zu stopfen und zum Beispiel dadurch Urlaubsreisen zu bezahlen. Wer also den Überziehungskredit in Anspruch nimmt, sollte wissen, dass er in naher Zukunft diesen auch wieder (zum Beispiel durch das bald kommende Gehalt) tilgen kann. Ansonsten kann der Überziehungskredit schnell der Start einer traurigen Finanzschieflage sein.

Weiterhin sollte man in Absprache mit seinem Bankberater einen Termin vereinbaren, um herauszufinden, wie hoch der Überziehungskredit gewährt wird und welcher Zinssatz hierfür überhaupt fällig wird. Ist es bereits zu spät und der teure Kredit wurde in Anspruch genommen, sollte man auf keinen Fall verzweifeln und stattdessen aktiv das Gespräch zur Bank suchen, um schnell eine Tilgung in Gange zu bringen. In den allermeisten Fällen empfiehlt sich hier zunächst eine Umschichtung der Schulden auf günstigere Kreditarten mit längeren Laufzeiten.

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5. März 2014 von

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